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  • Miriam Zemanova – 3Rs Award 2026

    Wildtiere erforschen, ohne sie einzufangen

    Dank neuen DNA-Analyse-Techniken ist es möglich, das Erbgut eines Känguru-Bestands zu erforschen, ohne die hüpfenden Beuteltiere in ihren Lebensräumen zu stören. Es genügt, ihren Kot einzusammeln. Miriam Zemanova hat eigens eine Website geschaffen, um die Wissenschaftswelt auf diesen und weitere Tricks aufmerksam zu machen, mit denen das Leiden wildlebender Tiere bei ihrer Erforschung verringert oder sogar ganz verhindert werden kann. Für dieses Projekt hat die Wissenschaftlerin der Universität Freiburg den 3Rs Award 2026 erhalten, der für aussergewöhnliche Beiträge zum Ersatz, Reduktion und Verbesserung (3R) des Einsatzes von Tieren in der wissenschaftlichen Forschung verliehen wird.

    Miriam Zemanova am 3Rs Day 2026 nach der Preisübergabe

    Wenn sich Wildtierschutz und Innovation perfekt ergänzen

    Miriam Zemanova hat sich seit Beginn ihrer Studien in Prag für den Artenschutz interessiert. Während ihrer akademischen Laufbahn, die einen Masterabschluss in England und ein Doktorat der Universität Bern einschliesst, entwickelte sie ein immer stärkeres Bewusstsein für das Leid, das Wildtieren bei deren Erforschung zugefügt wird. Häufig werden Tiere eingefangen, um Blut- oder Gewebeproben zu nehmen. Die Proben oder zum Teil sogar ganze Körperteile werden dann für weitere Analysen ins Labor gebracht. Es kommt zum Teil vor, insbesondere bei Kleintieren, dass Exemplare für die Gewebeentnahme getötet werden.

    Als sie in Australien war, um ein Forschungsprojekt über die genetische Diversität von Kängurus in einem Naturschutzgebiet zu planen, begann sie nach Alternativen für die typische Prozedur des Einfangens von Exemplaren und der DNA-Extraktion aus Blut- oder Gewebeproben zu suchen. Nach einiger Literaturrecherche konnte sie feststellen, dass der Kot von Kängurus ausreicht, um alle benötigten genetischen Informationen über diese Tiere zu gewinnen. Es gelang ihr mit ihrer Studie, die genetische Diversität in der lokalen Känguru-Population festzustellen, ohne sich auch nur einem Känguru zu nähern. Zudem konnten so mehr Proben gewonnen werden und das zu tieferen Kosten als mit invasiven Methoden.

    Dr. Zemanova war bestrebt, solche nicht-invasive Methoden bei der Erforschung von Wildtieren über die Projekte mit ihrer Beteiligung hinaus zu fördern. Deshalb kreierte sie eine Website, um die Anwendung dieser Methoden zu veranschaulichen. Im Juni 2026 führte die Seite bereits eine Liste von 2’168 Forschungsprojekten, die, wie ihre Känguru-Studie, intelligente Methoden zur Erforschung von Tieren in ihren Lebensräumen aufzeigen, ohne den Tieren Leid oder Schmerzen zuzufügen.

    Im letzten Jahr führte sie eine spezielle Suchmaschine ein, die es Forscherinnen und Forschern ermöglicht, auf eine Datenbank von nicht-invasiven Methoden zuzugreifen und nach Forschungsgebiet sowie -bedürfnissen abzusuchen. Die von ihr selbst gepflegte Datenbank enthält 111 verschiedene Methoden, wie etwa das Aufstellen von Fotofallen, das Einsammeln von Haar- sowie Speichelrückständen auf Pflanzen, die Analyse von DNA-Spuren in der Luft, im Wasser und im Schnee, akustische Beobachtungen oder das Einsammeln natürlich ausgeschiedenen biologischen Materials. Diese Ersatzmethoden generieren häufig belastbare wissenschaftliche Daten, während der Stress der Tiere und das ihnen zugefügte Leid auf ein Minimum reduziert wird.

    Screenshot von Miriam Zemanovas’s Methodenfinder auf 3rswildlife.info

    Es bleibt zu hoffen, dass künftig junge Forscherinnen und Forscher, die zögern, die traditionellen, invasiven Methoden bei der Wildtierforschung einzusetzen, rasch Zugang zu Alternativen finden, die Tieren weniger Leid zufügen. Miriam Zemanovas Methodenfinder listet ihnen auf einen Blick die Vorteile, Einschränkungen und Kosten der vom Tool vorgeschlagenen Methoden auf.

    Der Methodenfinder, eine wertvolle Ressource in der Wildtierforschung

    Miriam Zemanova hat auch die Verwendung der nicht-invasiven Methoden erforscht, die auf ihrer Website vorgestellt werden. Aus einer Meta-Analyse zu 2017 und 2018 veröffentlichten genetischen Studien über Wildtiere ging hervor, dass nur bei 22% der geprüften Beiträge eine nicht-invasive Methode zum Einsatz gekommen war. In 78% der Fälle wählten die Forscherinnen und Forscher eine invasive oder selbst tödliche Methode für die Probengewinnung, auch wenn mindestens eine nicht-invasive Alternativmethode möglich gewesen wäre.

    Heute stellt sie Folgendes fest: «Es scheint seither nicht viel Fortschritt gegeben zu haben, umso wichtiger ist es also, in der Wildtierforschung das Bewusstsein für nicht-invasive Techniken weiter zu schärfen.»

    Der Umstand, dass Ersatzmethoden nicht zum Einsatz kommen, kann auf mangelndes Bewusstsein oder die Schwierigkeit, die richtige Methode für einen bestimmten Forschungsansatz zu finden, zurückzuführen sein. Relevante Information ist über die ganze wissenschaftliche Literatur verstreut und bislang stand den Forscherinnen und Forschern keine praktische Ressource zur Verfügung, um ihnen bei der Auswahl einer geeigneten Möglichkeit zu helfen. Dank dem Methodenfinder kann das 3R-Prinzip bereits im Frühstadium eines Forschungsprojekts in Betracht gezogen werden, nämlich dann, wenn die methodologischen Entscheidungen mit den grössten Auswirkungen für das Tierwohl fallen. Indem nicht-invasive Methoden sicht- und vergleichbar gemacht werden, wird die Hürde für deren Einsatz gesenkt und damit ein Beitrag für eine verantwortungsvollere und effektivere Wildtierforschung geleistet.

    Dr. Zemanova, Forscherin und Dozentin an der Universität Freiburg, gelang es, zahlreiche Sponsoren für ihre informative Website 3rswildlife.info. zu gewinnen. Zudem empfehlen deren Nutzung renommierte Institutionen, wie etwa die norwegische National Consensus Platform for the Advancement of the 3Rs (Norecopa) und das US-Landwirtschaftsministerium oder die Nicht-Regierungsorganisation 3Rs Collaborative.

    Veröffentlicht : 24.08.2026

    Anerkennung für den Einsatz für eine verantwortungsvolle Wissenschaft

    Der mit CHF 4’000 dotierte 3Rs Award zeichnet bedeutende Beiträge zur Förderung des 3R-Prinzips aus.

    Die Preisträgerinnen und Preisträger des 3Rs Awards werden anhand der Qualität und Wirkung ihrer Beiträge auf die 3R in ihrem jeweiligen Forschungsbereich ausgewählt. Die Nominierungen durchlaufen eine erste Auswahl und werden danach von einer aus internationalen und nationalen 3R-Expertinnen und -Experten zusammengesetzten Jury bewertet.

    Die Vergabe dieses Preises zeigt die anhaltende Mission des 3RCC, eine Kultur der Verantwortlichkeit und der Innovation in der Schweizer Forschung zu fördern.

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